Forschergruppe Klostermedizin - Die Zukunft hat ein Gedächtnis
Baldrian-Hopfen-Kombinationen für gesunden Schlaf, Johanniskraut-Zubereitungen bei Stimmungsschwankungen oder Artischocke-Produkte für eine bessere Verdauung - in der Summe moderne Phyto-Pharmaka, zugeschnitten auf die Bedürfnisse unserer Zeit, mit klinisch belegter Wirksamkeit. Gemeinsam ist den Wirkstoffen auch ihre Herkunft. Sie stammen aus der so genannten "Klostermedizin" und wurden z.T. schon vor über 1000 Jahren in den überlieferten, hauptsächlich von den Ordensleuten aufgeschriebenen Rezepturen und Gesundheitsempfehlungen genannt. Mit ihnen allerdings mindestens 30.000 weitere Heilpflanzen- und Kräuter, die bisher weniger im Fokus der modernen Wissenschaft stehen. Gibt es deshalb noch brachliegendes Gesundheitswissen, das der heutigen Pharmakologie und Medizin wertvolle Grundlagen bieten kann?
Dieser Frage stellt sich seit 1999 die "Forschergruppe Klostermedizin" als gemeinsames Projekt des "Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg" und Abtei. Anhand der bereits geschaffenen, weltweit wohl größten Datenbank mit allen in den Überlieferungen genannten Heilpflanzen, analysiert das interdisziplinär besetzte Wissenschaftler-Gremuim mit Medizinern, Pharmazeuten, Biologen und Chemikern die Heilpflanzen im Kontext der jeweiligen Zeit. Dabei werden Zusammenhänge über den unterschiedlichen therapeutischen Einsatz ebenso aufgeklärt wie an eventuell vergessene Indikationsgebiete für einen bestimmten Pflanzenwirkstoff erinnert. Wichtig ist dabei auch die Arbeit der Philologen, die die in Latein verfassten Handschriften in mühevoller Arbeit übersetzen und dabei auch die damals genannten Krankheitsbilder auf den heutigen Indikations-Sprachgebrauch transferieren müssen.
Im Anschluss können wir bei Abtei die aus dieser Wissenschafts-Kooperation resultierenden Erkenntnisse mit modernen wissenschaftlichen Standards auf ihr Potenzial für moderne Gesundheits-Konzepte bewerten. So sehen wir diese Initiative als eine Möglichkeit der Grundlagenforschung, mit der sich Abtei einen Wissensvorsprung im längst nicht ausgeschöpften Feld der Anwendung von Heilpflanzen sichern kann.